17.04.2014

Adib bestätigt Trend des Thüringer Agrarberichts

Obwohl Ackerland und Grünflächen, die Zahl der Mitarbeiter sowie die Viehbestände geringer werden, ist die Leistung der Thüringer Landwirtschaft in den vergangenen Jahren nicht gesunken. Im Gegenteil: Zwischen 2009 und 2012 konnte sie ihre Bruttowertschöpfung von knapp 500 auf 833 Millionen Euro steigern. Das gibt der aktuelle Agrarbericht des Landwirtschaftsministeriums an, der vergangene Woche veröffentlicht wurde.

Über die Zahlen und Prognosen des Ministeriums hat sich unsere Zeitung mit Klaus Kliem unterhalten, dem Geschäftsführer der Unternehmensgruppe "Adib" in Bad Langensalza und ehemaligem Präsident des Thüringer Bauernverbandes (1990 bis 2012). Die Adib unterhält in Bad Langensalza und Umgebung Ställe mit rund 8000 Mastschweinen, 1320 Sauen, und 1150 Milchkühen.

Trotz schrumpfender Zahlen, ist die Wertschöpfung laut Agrarbericht gestiegen. Woran liegt das? Da spielen drei Faktoren eine wichtige Rolle. Zum einen ist das die Preissituation. Die Preise schwanken und wir haben auf die Erlöse keinen Einfluss. Was ein Doppelzentner Weizen kostet, entscheiden andere an der Börse. Gut, bei Weizen, Raps oder etwa Milch sind die Preise in den vergangenen Jahren aufgrund der weltweiten hohen Nachfrage generell gestiegen. Die beiden anderen Punkte sind Leistungssteigerung und Intensivierung. Insgesamt bedeutet das eine höhere Produktivität zu erreichen. Was genau bedeutet das: Intensiver zu wirtschaften? Wir wollen eine höhere Leistung pro Tier bzw. einen höheren Ertrag pro Fläche, denn nur so können wir die steigenden Kosten - etwa für Düngemittel oder Kraftstoff - abfangen.

Die Adib ist technisch ein hochmoderner Betrieb. Wir müssen an den kleinen Rädchen drehen. Zum Beispiel an einer besseren Beherrschung des Bodens, der auch bei ungünstigen Bedingungen genug Nähstoffe abgeben soll. Dazu haben wir uns kürzlich mit Fachleuten beraten. Ein anderes Beispiel ist die Schweinemast. Heute nimmt ein Schwein pro Tag 850 Gramm zu. Vor der Wende waren es 550 Gramm pro Tier und Tag. Das liegt an besseren Haltungsbedingungen, dem Zuchtfortschritt und einer bedarfsgerechten Fütterung. Die Milchleistung der Kühe mit geplanten 9000 Litern in diesem Jahr ist zwar recht gut, aber keine Spitzenleistung.

Hier haben wir Handlungsbedarf, aber nicht die höchste Milchleistung wird von uns angestrebt, sondern die, die auch das beste Verhältnis zu den Kosten hat. Wichtig ist nicht nur, wie viel Liter eine Kuh gibt bzw. wie viel Gramm ein Schwein zunimmt, sondern auch, welcher finanzielle Aufwand für ein besseres Ergebnis nötig ist. Für eine hohe Leistung braucht es beispielsweise besseres Kraftfutter.

Zwischen 2009 und 2012 ist das Ackerland in Thüringen um 4000 Hektar, das Grünland um 5000 Hektar geschrumpft. Welche Rolle spielt der Landverlust für die Adib? Die Adib hat durch den Bau der Umgehungsstraße rund 30 Hektar Land verloren. Ein Irrsinn meiner Meinung nach sind die Ausgleichsmaßnahmen vor Ort, die weitere Flächen belegen. Es ist ja schön, wenn Streuobstwiesen entstehen. Aber bitte nicht auf Ackerflächen. Lassen Sie uns die bestehenden Streuobstwiesen erst einmal gut pflegen, bevor wir neue schaffen. Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Können Sie auch da den Trend bestätigen? Zu DDR-Zeiten haben bis zu 60 Frauen in der Pflanzenproduktion gearbeitet. Heute übernehmen das 16 Angestellte. In der Milchproduktion arbeiten wir mit 24 Mitarbeitern. In Zukunft werden wir das mit weniger als 20 tun. 4 Mann arbeiten in der Schweinemast, 6 bei den Sauen. Was wir heute suchen, sind hoch qualifizierte Mitarbeiter mit technischem Verständnis. Es wird nicht mehr unbedingt die Kraft für eine Schaufel benötigt, sondern das Wissen, Melkroboter und voll klimatisierte Ställe zu bedienen.

Ab 2015 greift die reformierte EU-Agrarpolitik mit geringeren Zuschüssen für Bauern ... Ja, bis 2020 werden wir rund 50 Euro pro Hektar an Zuschüssen verlieren. Die Adib bewirtschaftet circa 4000 Hektar. Lieber als eine Prämie wäre mir, wenn der Liter Milch 45 bis 50 Cent kosten würde, der Doppelzentner Weizen 35 bis 40 Euro. Dann bräuchten wir keine Prämien mehr, denn die dienen zur Zeit vorrangig dem Verbraucher über niedrige Preise für Nahrungsmittel - nicht dem Landwirt. Diese erhöhten Preise würden nur geringfügig beim Verbraucher durchschlagen, da auch die Verarbeitungsindustrie und der Handel gut mitverdienen. Bei einem Brötchen bekommt der Landwirt für seinen Weizen gerade noch 2 Cent.

Autorin: Mara Mertin
Quelle: Thüringer Allgemeine – Bad Langensalza (17.04.2014)

 
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